Blütenstadt Werder (Havel)

„She is the glue“ - Farewell to headmistress Ines Lenius

Sie hat die Grund- und Oberschule Carl von Ossietzky entscheidend mitgeprägt. Nach 16,5 Jahren in Werder (Havel) geht Ines Lenius in den Ruhestand.

Foto: Stadt Werder (Havel) / hkx
Freut sich auf mehr Zeit für die Enkelkinder: Ines Lenius.

„Sie ist der Kleber. Sie hält hier alles zusammen.“ So beschreibt eine junge Kollegin bei einer kurzen Begegnung vor dem Sekretariat ihre Chefin. Sie sei traurig, dass Schulleiterin Ines Lenius die Grund- und Oberschule Carl von Ossietzky verlässt. Am 28. Januar wird die 63-Jährige bei einem Abschiedsfest in den Ruhestand verabschiedet. Nach 40,5 Dienstjahren, davon 16,5 Jahre als Schulleiterin in Werder (Havel), endet eine prägende Zeit für die Schule.

Was gute Schulleitung ausmacht? „Fachkompetenz, Struktur, Empathie und gesunder Menschenverstand“, sagt Ines Lenius. Diese Haltung prägte ihre Arbeit. Als sie 2009 die Leitung übernahm, besuchten rund 520 Schüler den Campus, der Grundschulbereich stand vor dem Aus. Heute lernen mehr als 800 Kinder und Jugendliche an der Schule, die seit Jahren übernachgefragt ist.

Ein gemeinsamer Campus

Einer der für sie wichtigsten Schritte: Im Sommer 2009 fusionierten die Dümichen- Grundschule und die Carl- von- Ossietzky- Oberschule zur Grund- und Oberschule Carl von Ossietzky. Das neu gegründete Schulzentrum gehörte damit zu den ersten Schulen in Brandenburg, die diesen Weg gingen.

Eine gemeinsame Organisationsstruktur entstand, ein gemeinsamer Campus, neue pädagogische Spielräume. Der Grundschulteil wurde gesichert. Das Modell fand über Werder hinaus Beachtung und wurde später Vorbild für weitere Fusionen in Brandenburg.

Für Ines Lenius war das vor allem ein Weg zu mehr Kontinuität. Grund- und Oberschule unter einem Dach brachten Ruhe in den Schulalltag. Lehrkräfte begleiteten Klassen über die Grundschule hinaus bis in die Sekundarstufe. Übergänge wurden nicht als Brüche erlebt, sondern als Entwicklung.

Gemeinsames Lernen

2018 folgte nach einem umfangreichen Bewerbungsverfahren ein weiterer Meilenstein, der heute den Schulalltag prägt: Die Grund- und Oberschule Werder wurde Schule für Gemeinsames Lernen. Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf lernen gemeinsam. „in einer Schule für alle Kinder“, wie es im Motto der Schule heißt.

Der Lehrerstundenpool wurde erweitert, Fortbildungen organisiert. Teamteaching, kleinere Lerngruppen und feste Teamzeiten mit Lehrern, Sozialarbeitern und Sonderpädagogen gehören heute zum Alltag. „Für das Team des Schulzentrums Werder ist Inklusion eine Haltung!“, sagt Ines Lenius,

Inhaltlich schärfte die Schule ihr Profil. Der naturwissenschaftliche Schwerpunkt wurde ausgebaut, die frühe Berufsorientierung gestärkt. Das Leitbild beruht auf individuellem Fördern und Fordern. Alle Grundschüler haben Anspruch auf einen Platz in der weiterführenden Stufe, viele wechseln nach dem Abschluss ins Oberstufenzentrum Werder (Havel).

Raum für Schule

Auch räumlich entwickelte sich die Schule weiter. Der Grundschulbereich bekam einen modernen Erweiterungsbau, die Sportflächen wurden erneuert, das Bestandsgebäude renoviert und saniert. „Die Schüler achten, was sie hier haben“, sagt Ines Lenius. Das gelte ebenso für Lehrer. Ein Kraftakt war der Ausbau des Dachgeschosses zu einem großen Lehrerzimmer. Heute arbeiten 67 Lehrkräfte und zehn weitere Mitarbeiter auf dem Campus.

Zum Schulalltag gehörte für Ines Lenius mehr als der Unterricht: Blütenchor und Havelbienen, Sportangebote von Elfenschule bis Ninja-Wettkämpfe, der jährliche Sponsorenlauf mit dem Förderverein. Zuletzt kamen dabei mehr als 5.000 Euro zusammen. Einschulungen und Abschlüsse werden bewusst gefeiert, manchmal spielt die Lehrerband. Bei solchen Anlässen spürt man: Lehrer, Mitarbeiter und Schüler stehen hinter dieser Schule.

In den vergangenen Wochen hat Ines Lenius ihr Büro geräumt. Jetzt bleibt mehr Zeit fürs Camping, fürs Lesen, für Kunst und für die Enkelkinder. Ines Lenius hinterlässt eine Schule, die gewachsen ist – pädagogisch und baulich. Und ihre Nachfolge? „Ich denke, es wird im Sinne der Schule weitergehen.“

Werder (Havel), 28. January 2026