Blütenstadt Werder (Havel)

Dank an Stadtverordnete

Die Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Annette Gottschalk und Bürgermeisterin Manuela Saß blicken auf eine erfolgreiche Wahlperiode zurück.

Foto: Stadt Werder (Havel) / hkx

Annette Gottschalk und Manuela Saß bei ihrer gemeinsamen Rede.
 
Nach dem Eintrag von Sigmar Wilhelm in das Goldene Buch der Stadt Werder Havel) haben die Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Annette Gottschalk und Bürgermeisterin Manuela Saß auf die Wahlperiode 2019-2024 zurückgeblickt und sich bei den Stadtverordneten für die Zusammenarbeit bedankt. Die gemeinsame Rede im Wortlaut (Kursiv: Annette Gottschalk):

Sehr geehrte Damen und Herren Stadtverordnete,

In seinem Vorwort zum Fotoband „Werder heute“ schreibt unser Ehrenbürger Dr. Baldur Martin: „Werder hat sich in der letzten Dekade so unglaublich positiv entwickelt, dass der Anfang, darüber zu berichten, sehr schwer fiel. Wo man hinschaut, welches Problem zurechtgezimmert werden soll, es wird in der Regel bereits mit vereinten Kräften konstruktiv daran gearbeitet, ohne großes Aufsehen – oder es gilt schon als gelöst.“

Herr Dr. Martin hat bei der Vorstellung des Bandes Wert darauf gelegt zu betonen, dass er keine Förderung der Stadt dafür haben wollte. Deshalb ist es umso schöner, das von einer solchen Koryphäe der Stadtgeschichte zu lesen. Zehn Jahre Stadtentwicklung erfolgreich wie nie, wir können das unterschreiben.

Liebe Stadtverordnete, das Lob geht auch an Sie! Die Hälfte dieser Zeit standen Sie, standen wir in der Verantwortung für unsere Blütenstadt. Wir haben in 25 Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung in mehr als 70 Stunden rund 640 Tagesordnungspunkte abgearbeitet. Wir haben davor in Ausschüssen und Beratungen bisweilen sehr hart diskutiert, Vorschläge eingebracht und um die besten Lösungen gerungen.

Für diese Leistung möchten wir uns heute bei Ihnen herzlich bedanken.

Schauen wir uns an, wie andere unsere Stadt sehen:

Im Jahr 2019 wurden wir von der Zeitschrift kommunal zur Stadt mit den besten Zukunftsaussichten gekürt und kamen in einem weiteren Vergleich von fast 600 deutscher Mittelstädte zum Thema Gründeratmosphäre kurz darauf auf Platz 10.

Im Jahr 2021 wurden wir erneut sportlichste Stadt des Landes Brandenburg.

Im vorigen Jahr wurden wir für unseren Zukunftshaushalt mit dem Preis für gute Bürgerbeteiligung des Kompetenzzentrums Bürgerbeteiligung ausgezeichnet. Unsere HGW hat im vorigen Jahr für das Neubauprojekt in der Schubertstraße das Qualitätssiegel „Gewohnt gut“ des Verbands Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen erhalten.

Der Abschluss externer Auszeichnungen in dieser Legislaturperiode war vor einigen Tagen die Bestnote des Autoclubs Deutschland für unseren P+R-Parkplatz am Bahnhof. Der Parkplatz Pirschheide ist bei demselben Test im Übrigen durchgefallen.

Meine Damen und Herren, was sind nun die Fakten der zurückliegenden Wahlperiode?

Für den heutigen Abend haben wir uns einen Überblick über die Beschlüsse und Meilensteine der vergangenen fünf Jahre verschafft. Schauen wir uns das einmal in chronologischer Reihenfolge etwas genauer an:

  • Bürgerservice und Tourist-Information haben ihr neues Domizil im Lindowschen Haus bezogen. Der Standort hat sich hervorragend etabliert.
  • Das Haus am See mit Familienzentrum und Jugendclub ist in Betrieb gegangen. Es hat sich seitdem bereits zu einem wichtigen sozialen Treff entwickelt.
  • Nach 30 Jahren wurde die Altstadtsanierung abgeschlossen. Werders Altstadt ist heute so schön wie nie.
  • Mit der Havel-Therme ist ein touristisches Leuchtturmprojekt an den Start gegangen. Die Besucherzahlen übertreffen die kühnsten Erwartungen, am 7. Mai wurde der millionste Besucher in der Therme begrüßt. 100 Menschen haben eine Arbeit am vielleicht schönsten Arbeitsplatz der Stadt und es wird weiter am Standort investiert.
  • Die neue Fahrradbrücke über den Zernsee wurde in Betrieb genommen. Es war eines der wichtigsten Fahrradinfrastrukturprojekte seit der Wiedervereinigung.
  • Die Bauarbeiten für den Erweiterungsbau des Gymnasiums haben begonnen. Wir bauen dort nicht nur 8 supermoderne Unterrichtsräume. Es entsteht auch die größte Schulaula im Landkreis Potsdam-Mittelmark. 
  • Die Kita Wildwuchs ist in der Adolf-Damaschke-Straße in Betrieb gegangen und wir haben die Kitalandschaft mit einem weiteren Freien Träger, nämlich Independent Living aus Potsdam, abgerundet.
  • Der erste Bauabschnitt des Bildungscampus Glindow wurde abgeschlossen. Ein freier Träger, mit dem die Stadt seit Jahren im Kitabereich zusammenarbeitet, die Hoffbauer-Stiftung, hat nun auch eine evangelische Grund- und Gesamtschule eröffnet.
  • Sie finden auf den Bildtafeln weitere wichtige Bildungsprojekte in unseren kommunalen Schulen.

Spielplätze und Freizeitanlagen sind entstanden. Drei wichtige Straßen wurden saniert und auf der neuen Autobahnbrücke in Kemnitz ist auch eine Spur für den geplanten Radweg Werder-Kemnitz gelegt worden. Allein die an den Tafeln dargestellten Feuerwehrinvestitionen belaufen sich auf deutlich mehr als 3 Millionen Euro.

Werder hat sich wirklich sehr positiv entwickelt.

Dies ist ganz maßgeblich auf das Wirken der Stadtverordnetenversammlung zurückzuführen. Keines der genannten Projekte, keiner der genannten Erfolge wäre ohne Beschlüsse möglich gewesen. Dafür möchten wir Ihnen danken.

An dieser Stelle danke ich, danken wir ebenso den Fachbereichsleitern stellvertretend für die Verwaltungsmitarbeiter. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben geliefert. Und das in einer Zeit, die durch die Corona-Pandemie und den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine geprägt wurde.

Die kommenden Jahre werden nicht einfacher. Die ersten Zahlen zeigen: Wir müssen Prioritäten setzen und die Haushaltsmittel noch effektiver einsetzen.

Mit dem Beginn der strategischen Haushaltsplanung für den Doppelhaushalt 2023/24 haben Sie für die nächste Legislatur eine wertvolle Grundlage gelegt. Die nächste Stadtverordnetenversammlung wird es Ihnen danken.

Die Stadtverordneten werden am 9. Juni in „allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl“ gewählt, wie es in der Kommunalverfassung heißt. Für die ältere Generation, die wie ich in der DDR aufgewachsen sind, ist das kein Selbstverständnis.

Seit der ersten freien Kommunalwahl am 6. Mai 1990 wird es die achte Stadtverordnetenversammlung von Werder (Havel) sein.

Mein Wunsch ist, dass der Demokratie mit einer hohen Wahlbeteiligung unserer Bürger Rechnung getragen wird. Denn ein starkes Mandat für unsere Stadtverordnetenversammlung ist im Hinblick auf die uns bevorstehenden Herausforderungen und Aufgaben außerordentlich wichtig.

(Es gilt das gesprochene Wort.)

Foto: Sammlung Erhard Schulz

Mit der Kamera wurde seinerzeit die Zerstörung Am Mark dokumentiert.

Luftschutzkeller bot kaum Schutz

Es hatte einen Voralarm gegeben, die Bewohner der Stadt waren in die gemeinschaftlichen Luftschutzkeller geeilt. Rudi Sperling bewohnte die Hausnummer 11, in alter Nummerierung die Nummer 6. „Für das Grundstück gab es zwei Luftschutzkeller“, erinnerte sich Rudi Sperling. Für die Bewohner des Vorderhauses wurde ein ehemaliger Weinkeller mit Gewölbedecke genutzt. Im Hinterhaus gab es schlechtere Überlebenschancen: Dessen Luftschutzkeller in einem Seitenflügel lag zu 80 Prozent oberirdisch.

Durch die Detonation der Bombe fiel das Gebäude über diesem „Luftschutzkeller“ in sich zusammen. 25 Bewohner fanden unter den Trümmern den Tod. Die Geschwister Helga und Rudi Sperling, damals 9 und 11 Jahre alt, wurden zwar verschüttet, konnten aber noch schreien und wurden von einem Nachbarn gerettet. Ihre Eltern Willi und Margarethe Sperling verloren sie in dieser Nacht. Die meisten Bombenopfer wurden auf einem gemeinsamen Gräberfeld auf dem Neuen Friedhof in der Kemnitzer Straße beigesetzt.

Foto: Stadt Werder (Havel) / hkx

Gedenken am Mahnmal „Den Opfern von Krieg und Gewalt“. Unter den Gästen waren Werders Ehrenbürger Werner Große und Dr. Baldur Martin.

Rudi Sperling berichtet in den „Heimatgeschichtlichen Beiträgen 2024/25″ über das Erlebte. Auch die Namen der Toten sind in den Heimatgeschichtlichen Beiträgen veröffentlicht, sie wurden bei der Gedenkveranstaltung verlesen. 21 von ihnen waren Frauen und Kinder, oft aus derselben Familie. Erstmals hatte der Heimatforscher Balthasar Otto (1934-2004) im Jahr 2001 in einem Zeitungsartikel über diesen Bombenabwurf berichtet.

Bürgermeisterin: Schrecken des Krieges hat viele Gesichter

Bürgermeisterin Manuela Saß trug bei der Gedenkveranstaltung Bertolt Brechts „Bitten der Kinder“ vor. „Die Häuser sollen nicht brennen. Bomber sollt man nicht kennen.“ Das Gedicht von 1951 habe seine Gültigkeit nicht verloren. „Die Zeit der Naziherrschaft, der Verfolgung und des Krieges haben zwischen 1933 und 1945 Millionen unschuldige Opfer gefordert. Auch in Werder (Havel) hat diese Zeit tiefe Narben hinterlassen.“

Foto: Stadt Werder (Havel) / hkx

Zeitzeuge Rudi Sperling nahm an dem Gedenken teil.

Der von Deutschland in die Welt getragene Schrecken des Krieges sei nach Deutschland zurückgekehrt. Auch wenn Werder (Havel) kein direktes Angriffsziel der alliierten Luftangriffe gewesen sei, so seien doch zum Kriegsende auch hier fünf Bomben eingeschlagen. Die Bürgermeisterin bedankte sich beim Heimatverein dafür, die Erinnerung daran wachzuhalten.

„Der Schrecken des Krieges hat viele Gesichter“, so Manuela Saß weiter. „An die Opfer des Bombenabwurfs am 10. Juni 1944 in unserer Stadt zu erinnern bedeutet, an die schrecklichen Folgen der Nazi-Ideologie zu erinnern. Es bedeutet, der Toten und des Leids auf allen Seiten zu gedenken.“

Die Gedenkveranstaltung, an der rund 25 Menschen, darunter die Werderaner Ehrenbürger Werner Große und Dr. Baldur Martin, teilgenommen haben, wurde mit einem Glockengeläut der Heilig-Geist-Kirche abgeschlossen.

Quellen: Heimatverein Werder (Havel) e.V. / Stadt Werder (Havel) 

Foto: Stadt Werder (Havel) / hkx

Blumen des Gedenkens am Mahnmal „Den Opfern von Krieg und Gewalt“ auf dem Alten Friedhof.

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Werder (Havel), 9. Září 2024